Eva & Ahmet

Ahmet Polad

Kurdischer Journalist, Moderator und Autor
Ahmet Polad, kurdischer Journalist, Moderator und Autor, Porträt

Ahmet Polad, auch bekannt als Mehmet Nizam Aslan, wurde am 3. Juni 1999 in Nord-Kurdistan geboren. Er ist kurdischer Journalist und türkischer Staatsbürger.

Ahmet Polad arbeitete als Reporter, Autor, Moderator und Programmmacher. Seit 2016 war er journalistisch für die Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansı (ETHA) und den in Europa sendenden Fernsehsender Özgür TV tätig; außerdem veröffentlichte er regelmäßig Texte für das Nachrichten- und Analyseportal Kurdistana Azad.

Seine Arbeit steht für eine freie kurdische Medienöffentlichkeit, die aus Nord- und Ostsyrien, aus Rojava und aus der kurdischen Diaspora berichtet — oft unter Bedingungen, unter denen unabhängige Berichterstattung nicht geschützt, sondern bedroht und verfolgt wird.

Für Özgür TV war Ahmet nicht nur Autor oder Korrespondent im Hintergrund. Er stand selbst vor der Kamera, moderierte Sendungen, führte Gespräche, ordnete politische Entwicklungen ein und berichtete aus Rojava. Seine journalistische Arbeit verband Reportage, Analyse und politische Einordnung.

Ahmet schrieb und sprach aus einer klaren kurdischen, demokratischen und antiimperialistischen Perspektive. Seine Themen waren die Revolution von Rojava, die demokratische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien, die Rolle der Türkei, Angriffe auf kurdische und demokratische Strukturen, die Gefahr durch HTS und andere islamistische Kräfte sowie die Frage, ob die Region nach dem militärischen Sieg über den IS erneut in die Hände autoritärer und fundamentalistischer Gewaltapparate geraten könnte.

Ahmet Polad ist Mitglied der Yekîtiya Ragihandina Azad (YRA), der Presse- bzw. Mediengewerkschaft der von Nord- und Ostsyrien bzw. Rojava/DAANES.

Beispiel aus Ahmets journalistischer Arbeit: Am 9. Januar führt Ahmet Polad für Özgür TV ein Interview mit Haydar Bahadır, Autor von Kurdistan Azad, über die seit Jahren wiederkehrenden Aufstände im Iran und in Rojhilat, Ostkurdistan. Das Gespräch ordnet die Proteste als Ausdruck einer tiefen sozialen und politischen Krise ein: Privatisierung, Arbeitslosigkeit, Verarmung, staatliche Repression und eine Mullah-Diktatur, die der Bevölkerung keine Perspektive bietet.

Kurz vor seiner Verschleppung sendete Ahmet Polad aus dem in Raqqa eingeschlossenen Jugendzentrum eine letzte Sprachnachricht. In deutscher Übertragung lautet sie:

„Sie kesseln uns ein. Sie sind schon im unteren Stockwerk. Wir versuchen, Zeit zu gewinnen.“

Es war die letzte bekannte Nachricht von Ahmet Polad, bevor er und Eva Maria Michelmann festgenommen wurden. Ihre journalistische Ausrüstung, darunter Kamera und Ausweise, wurde beschlagnahmt.

Eva Michelmann

Deutsche Journalistin und Sozialarbeiterin
Eva Maria Michelmann, deutsche Journalistin und Sozialarbeiterin aus Köln, Porträt

UPDATE: Eva ist seit dem 19.06.2026 in Freiheit.

Eva Maria Michelmann wurde am 2. Dezember 1989 in Siegburg geboren und wuchs in Windeck-Wiedenhof im Raum Köln auf. Sie ist Kölner Journalistin, Sozialarbeiterin und deutsche Staatsbürgerin.

Schon früh verband Eva politisches Engagement, soziale Arbeit und Öffentlichkeit. In Bonn organisierte sie 2009 und 2010 Schülerstreiks und Proteste gegen Studiengebühren, soziale Auslese und die Klimakatastrophe mit der Bezirksschülervertretung, der Gewerkschaft ver.di und dem Schülerstreikkomitee Bonn. 2010 gehörte sie zur Gründungsredaktion von fastforward, der damals einzigen stadtweiten Bonner Schülerzeitung.

Bereits dort zeigte sich, was ihre spätere Arbeit prägen sollte: Eva suchte Öffentlichkeit für junge Menschen, soziale Bewegungen und Stimmen, die sonst überhört werden.

Nach dem Abitur an der Gesamtschule Waldbröl ging Eva für ein soziales Jahr nach Venezuela. Dort arbeitete sie unter anderem mit Straßenkindern in den Armenvierteln von Caracas und bereiste das Land. Später studierte sie Soziale Arbeit zunächst in Bochum und dann in Köln, wohin sie ihren Lebensmittelpunkt verlegte. Ihr Studium wurde gefördert durch ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung.

In Köln engagierte sie sich in der Gewerkschaftsjugend, bei „Kein Mensch ist illegal“, in der Flüchtlingsberatung, in der Arbeit mit kurdischen Frauen, in Jugendhilfeeinrichtungen und in sozialen Initiativen. Ihr Engagement galt wie ihre Reportagen und Analysen stets Menschen, die gesellschaftlich entrechtet, verdrängt oder unsichtbar gemacht werden.

Seit 2022 lebte und arbeitete Eva in Rojava und Nord- und Ostsyrien. Sie lernte Türkisch und Kurdisch und berichtete für kurdische und türkischsprachige Medien, unter anderem für die Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansı (ETHA) und den in Europa sendenden Fernsehsender Özgür TV, was YRA Free Media Union als zuständige Pressegewerkschaft auch berufsverbandlich bestätigte. Ihre Themen dort waren u.a. die demokratische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien, die Frauenbewegung und die Lage von Zivilist:innen. Zuletzt recherchierte sie in Raqqa über das Wiedererstarken der islamistischen Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) nach der Machtübernahme durch die salafistische HTS-Regierung von Ahmed al-Scharaa in Syrien im Jahr 2025.

Beispiel aus Evas journalistischer Arbeit: Am 9. Januar 2026 berichtet Eva Maria Michelmann über Proteste und Solidaritätskonvois aus Nord- und Ostsyrien (Rojava bzw. DAANES) für die vom al-Scharaa-Regime bedrohten Aleppiner Stadtteile Şêxmaqsûd, Eşrefiyê und Bani Zeid.

Dort beginnt der Überfall auf die demokratische Selbstverwaltung Rojavas, den die Truppen und Milizen der salafistischen Übergangsregierung in den folgenden Tagen in Richtung Tabqa und Raqqa fortsetzen werden.

Die Verschleppung

Am 18. Januar 2026 arbeiteten Ahmet und Eva in Raqqa, der ehemaligen IS-Hauptstadt, und dokumentierten die überfallartige Offensive der syrischen Übergangsregierung und die Angriffe auf die Stadt durch deren Truppen und durch verbündete islamistische Milizen, die bereits am späten Abend des 17. Januar begonnen hatten.

Eine ACCORD-Anfragebeantwortung bündelt als deutschsprachige Länderrecherche zahlreiche Quellen zur Januar-Offensive — von den kurdischen Aleppiner Vierteln, über die Eva kurz zuvor schrieb, bis Kobane und Raqqa — und ordnet Angriffe, Tötungen, Folter, Verschwindenlassen, Plünderungen und zerstörte zivile Infrastruktur als möglichen Komplex von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein.

Das Rojava Information Center (RIC) dokumentiert für diese Offensive 31 zivile Tote, mindestens 40 Verletzte, mehr als 244 willkürliche Festnahmen und mindestens 47 summarische Exekutionen durch Kräfte im Umfeld der syrischen Armee und angegliederte Milizen, insbesondere in Raqqa.

Eva und Ahmet hielten sich am 18.01.2026 in einem Jugendzentrum im Stadtzentrum auf, in dem viele Menschen Schutz gesucht hatten. Von dort berichteten sie zuletzt über Belagerung und Beschuss ihres eigenen Zufluchtsortes: Zuerst durch bewaffnete Milizen und schließlich durch vorrückende Truppen des syrischen Innenministeriums. In der Nacht auf den 19.01.2026 wurden Ahmet Polad und Eva Maria Michelmann von diesen Truppen verschleppt.

Seitdem hält die syrische Übergangsregierung des ehemaligen Al-Nusra/Al-Qaida-Kommandeurs Ahmed al-Scharaa beide an nicht offengelegten Haftorten in fortdauernder Incommunicado-Haft — unter Bedingungen, die Zeug:innen als Folter beschreiben.

Städtisches Jugendzentrum DAANES - Shabiba in Raqqa, Zufluchtsort vor der Verschleppung von Eva Michelmann und Ahmet Polad
Ort der Verschleppung: Das städtische Jugendzentrum in Raqqa in der Hisham-bin-Abdul-Malik-Straße, Ecke Saif-al-Dawla-Straße, neben dem Bustan-Park. Es wurde vom Stadtrat bzw. dem Stadtjugendrat betrieben (demokratische Selbstverwaltung „DAANES“, Raqqa City Youth Council, „Shabiba“ Gebäude).
Schild des Zentrums für Jugendaktivitäten in Raqqa mit Angeboten für Sport, Kultur, Informatik und Bibliothek
Zentrum für Jugendaktivitäten – Raqqa“
رياضة (Sport) · توعية (Aufklärung/Sensibilisierung) · معلوماتية (Informatik)
ثقافة (Kultur) · دورات تعليمية (Kurse/Schulungen) · مطالعة (Bibliothek)
Das Jugendzentrum wurde bei den Angriffen durch die Truppen des al-Scharaa-Regimes und verbündete Milizen am 18.01.2026 von zahlreichen Zivilist:innen als Zufluchtsort genutzt, als Eva und Ahmet von dort in einem Fahrzeug verschleppt wurden, das dem Innenministerium zugeordnet wird.
Karte des Jugendzentrums in Raqqa an Hisham-bin-Abdul-Malik-Straße und Saif-al-Dawla-Straße neben dem Bustan-Park

Rot markiert: Städtisches Jugendzentrum in Raqqa
Grünfläche direkt links daneben: Bustan-Park
Nach Norden: Saif-al-Dawla-Straße (blaue Punkte)
Ost-West-Richtung: Hisham-bin-Abdul-Malik-Straße (gelbe Linie)

Regimetreue Milizen versammeln sich am 18.01.2026 gegen 12:14 Uhr am Bustan-Park in der Hisham-bin-Abdul-Malik-Straße, um das benachbarte Jugendzentrum zu überfallen. Währenddessen rücken Truppen des syrischen Regimes, gefolgt von Truppen des Innenministeriums, von allen Seiten in die Stadt ein. Es beginnt eine tödliche Jagd auf die Reste der Anti-IS-Ordnung: Die demokratische Selbstverwaltung („DAANES“), ihre Gebäude und ihre Sicherheitskräfte (Syrian Democratic Forces, SDF) werden durch Hetze und Koordination auf einschlägigen Telegram- und Facebook-Kanälen hundertfach öffentlich als militärisches Ziel markiert, wie auch im abgebildeten Video zu sehen und zu hören:

Bewaffnete regimetreue Milizionäre am Bustan-Park in Raqqa vor dem Sturm auf das Jugendzentrum am 18. Januar 2026
Kommentar unter dem Video in der Abbildung: „Shabab Nadi al-Furat … versammeln sich jetzt im Bustan-Park Richtung Shabiba.“
18.01.2026, 12:14 Uhr, Quelle: https://www.facebook.com/reel/1214661216870076

Im gleichen zivil-militärischen Kanal-Raum verbreiten sich auch Aufrufe zur Denunziation verbliebener kurdischer, demokratischer und ausländischer Personen in Raqqa an das Innen- und Verteidigungsministerium al-Scharaas und zum Sturm auf bestimmte Gebäude, u. a. das Jugendzentrum (Uhrzeit 12:00, veröffentlicht mit Kartenmarkierung und Kriegspropaganda). Kurz darauf veröffentlichen Milizen ein brutales Video ihres Sturms auf das Jugendzentrum:

Social-Media-Karte mit Angriffsrouten auf Raqqa während der Offensive der syrischen Übergangsregierung am 18. Januar 2026
Videoausschnitt aus Raqqa während der Angriffe von Milizen auf das Jugendzentrum am 18. Januar 2026

Es werden Kontakte von Innen- und Verteidigungsministerium verbreitet und deren Einsatz an bestimmten Stellen angefordert, so auch beim Jugendzentrum (Uhrzeit 19:32). Am späten Abend des 18. Januar 2026 (spätestens 22:43) an der gleichen Stelle dann öffentliche Hinweise auf einen Zugriff des Innenministeriums auf das DAANES-Jugendgebäude.

Abbildung links: Der Screenshot aus dem mehrfach gespiegelten Video belegt öffentlich eine Präsenz von Truppen der Inneren Sicherheit am Jugendzentrum am 18.01.2026 gegen 22:43 Uhr. Abbildung rechts: Die Markierungen und die Form der Fenster des weißen Pickups vom Typ Mitsubishi L200 zeigen eine deutliche Übereinstimmung mit dem Fahrzeugtyp und den typischen Markierungen des syrischen Innenministeriums, wie sie auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur im Januar 2026 in Nordostsyrien im Rahmen der gleichen Offensive dokumentiert.

Wer die Spur nach der Verschleppung in Syrien weiterverfolgt, stößt nicht auf ein „ungeklärtes Kriegschaos“, sondern auf eine staatliche Haftkette: Innenministerium, Raqqa, Aleppos „Innere Sicherheit“ und ihren Leiter, Oberst Abdul Ghani, der eine zentrale Rolle bei der Militäroffensive gegen Rojava spielte. Seine Verantwortung für Verschleppung und Folterhaft von Eva und Ahmet, sowie von tausenden weiteren Gefangenen, ist mehrfach unabhängig bestätigt: Durch seine Funktion, durch zahlreiche öffentlich zugängliche Quellen und durch verschiedene Augenzeugenberichte.

Diese und andere Belege zur Verschleppung und ihren mittelbaren und unmittelbaren Verantwortlichen — veröffentlichte Zeug:innenhinweise, Medienberichte, Social-Media-Spuren der Täter, sowie Quellen zur 2026 beschleunigten Normalisierung der al-Scharaa-Regierung durch Mar-A-Lago, Berlin, Istanbul, Brüssel, DAX-Konzerne und auch einzelne NGOs — sind auf der Seite Hintergrund gebündelt.

Update: In ihrem Videobericht aus der Pressekonferenz vom 09.07.2026 in Köln gibt Eva selbst Einblicke in das System aus Verschleppung und Folter im neuen syrischen Machtapparat, der sie monatelang von der Außenwelt abschnitt und verleugnete, während er sie als rechtlose Gefangene von Raqqa nach Aleppo, Idlib und Damaskus verlegte. Sie fordert Freiheit für Ahmet Polad.